Dortmund
Multiple Sklerose verstehen, erkennen und behandeln
Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und kann viele zentrale Lebensbereiche beeinflussen ( z.B. Alltag und Mobilität, Berufsleben, Familie und Freunde, Kognition, Psychische und Emotionen). Sowohl zu Beginn der Erkrankung wie auch in ihrem weiterem Verlauf bzw. in bestimmten Lebensphasen (z.B. Familienplanung) entstehen häufig Unsicherheiten und Fragen. Deshalb ist es wichtig, einen Facharzt an Ihrer Seite zu haben, der Sie in allen Bereichen und in allen Phasen emotional unterstützt und individuell angepasste Therapien bietet, die zu Ihrem Leben passen.
Multiple Sklerose betrifft viele in Deutschland – wir behandeln individuell
Multiple Sklerose die häufigste neurologische Autoimmunerkankung. In Deutschland sind nach aktuellen Schätzungen rund 280.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt.
Was ist Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose (MS), ist eine chronisch-entzündliche, nicht heilbare Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark), bei der das Immunsystem die Schutzschichten der Nerven angreift. Die Krankheit MS tritt oft im Alter von 20 bis 40 Jahren auf und äußert sich durch vielfältige Symptome wie Sehstörungen, Lähmungen oder Taubheitsgefühle, weshalb sie auch als „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ bekannt ist.
Krankheitsverlauf bei Multiple Sklerose
Der Krankheitsverlauf bei Multipler Sklerose ist sehr individuell und kann sich von Patient zu Patient deutlich unterscheiden. Bei etwa 85–90 % der Betroffenen beginnt Multiple Sklerose zunächst mit einem schubförmigen Verlauf, bei dem sich neurologische Symptome zeitweise verschlechtern und anschließend teilweise oder vollständig zurückbilden. Im weiteren Verlauf kann die Erkrankung jedoch auch schleichend fortschreiten. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell angepasste Therapie können dabei helfen, den Verlauf der Multiplen Sklerose positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität langfristig zu erhalten. Multiple Sklerose wird primär in drei bis vier Hauptverlaufsformen eingeteilt, die sich durch den zeitlichen Verlauf der Entzündungen und den Fortschritt von Behinderungen unterscheiden:
- Schubförmig-remittierende MS (RRMS)
Häufigste Form (ca. 85 % der Fälle). Symptome treten in Schüben auf (plötzliche Verschlechterung) und bilden sich wieder zurück (Remission). Meist Beginn zwischen 20 und 40 Jahren.
- Sekundär progrediente MS (SPMS)
Geht häufig aus einer RRMS hervor (60–80 % nach 10–20 Jahren): Die Schübe lassen nach, stattdessen kontinuierliche Verschlechterung.
- Primär progrediente MS (PPMS)
Von Beginn an kontinuierliche Verschlechterung ohne deutliche Schübe oder Ruhephasen, seltener (ca. 10–15 % der Fälle).
Schubförmig-remittierende Verlauf (RRMS)
Die RRMS ist durch klar abgrenzbare Krankheitsphasen (Schübe) gefolgt von Phasen der Besserung (Remission) gekennzeichnet. Etwa 85–90 % der Betroffenen zeigen zu Beginn dieses Muster.
Schubförmig-remittierende Verlauf (RRMS)
- Schub: Neurologische Symptome treten akut auf oder verschlechtern sich deutlich, halten mindestens 24 Stunden an und bilden sich ganz oder teilweise zurück.
- Remission: Zwischen den Schüben kommt es zu keinen weiteren Verschlechterungen der Symptome.
- Schubintervall: Ein neuer Schub kann frühestens 30 Tage nach Beginn des vorherigen Schubs auftreten.
- Ursache: Das Immunsystem greift aufgrund von Entzündungsvorgängen die Myelinschicht (Schutzhülle) der Nerven im Gehirn und Rückenmark an, was zu deren Schädigung führt.
Sekundär progrediente Multiple Sklerose
Bei dieser Form entwickelt sich die MS zunächst schubweise, schreitet jedoch im Verlauf kontinuierlich fort, auch ohne akute Schübe. Symptome: Schleichende Verschlechterung, wie zunehmende Gehbehinderung oder kognitive Einschränkungen.
Primär progrediente Multiple Sklerose
Von Beginn an kontinuierliche Verschlechterung ohne klar abgrenzbare Schübe. Meist Beginn zwischen 35 und 50 Jahren. Im Vordergrund stehen chronisch-schwelende Prozesse wie Gehbehinderung, Spastik und Müdigkeit.
Klinisch isoliertes Syndrom (KIS, engl. CIS)
Das klinisch isolierte Syndrom beschreibt ein erstes neurologisches Ereignis, das durch eine Entzündung im zentralen Nervensystem verursacht wird und typische Symptome einer Multiplen Sklerose hervorrufen kann. Zu diesem Zeitpunkt sind jedoch noch nicht alle diagnostischen Kriterien erfüllt, um eindeutig eine MS festzustellen. Ein KIS kann sich im weiteren Verlauf zu einer Multiplen Sklerose entwickeln, weshalb eine sorgfältige neurologische Abklärung und regelmäßige Kontrollen wichtig sind.
Multiple Sklerose: Symptome
MS-Symptome können sich schleichend entwickeln und variieren je nach betroffenem Bereich des Nervensystems. Häufige Symptome:
- Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Doppelbilder)
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Armen, Beinen oder Gesicht
- Muskelschwäche und Koordinationsstörungen Spastik (Muskelsteifheit) und Zittern
- Geh- und Gleichgewichtsstörungen
- Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken
- Kognitive Einschränkungen (Konzentrationsprobleme, Gedächtnisbeeinträchtigungen)
- Müdigkeit und Erschöpfung, die den Alltag erheblich beeinträchtigen
Begleiterkrankungen bei Multipler Sklerose
Multiple Sklerose kann neben den neurologischen Beschwerden auch weitere gesundheitliche Auswirkungen haben. Zu den möglichen Begleiterkrankungen zählen unter anderem Osteoporose, die durch eingeschränkte Bewegung oder bestimmte Medikamente begünstigt werden kann, sowie psychische Belastungen wie Depressionen oder Angststörungen. Daher ist bei Multipler Sklerose ein ganzheitlicher Behandlungsansatz wichtig, der sowohl körperliche als auch seelische Aspekte berücksichtigt.
Diagnosestellung bei Multipler Sklerose
Die Diagnose erfolgt durch MRT, Liquoruntersuchung und neurologische Tests.
- MRT: Bilder von Gehirn und Rückenmark zeigen typische MS-Läsionen.
- Liquoruntersuchung: Entnahme von Nervenwasser zur Analyse von MS-Markern.
- Neurologische Untersuchung: Gezielte Tests zur Erhebung des Status.
Wie erfolgt die Diagnose von Multipler Sklerose in den Knappschaft Kliniken Brackel?
Die Diagnose erfolgt durch einen Neurologen und basiert auf Anamnese, neurologischen Untersuchungen und apparativer Diagnostik.
- Anamnese und neurologische Untersuchung
- MRT von Gehirn und Rückenmark
- Lumbalpunktion Evozierte Potentials (EP)
Therapie bei Multipler Sklerose im Neurozentrum Westfalen
Die Behandlung wird individuell auf Form und Verlauf im gemeinsamen Konsens mit dem Patienten (sog. „Shared Division making“) abgestimmt.
Medikamentöse Therapie
- Krankheitsmodifizierende Therapien (DMTs: u.a. Interferone, Glatirameracetat, orale Therapien, monoklonale Antikörper)
- Symptomatische Therapie (z. B. Spastik, Schmerzen, Fatigue, Blasenprobleme)
- Schubtherapien (z. B. Kortison oder Immunadsorption/Plasmapherese)
Physiotherapie und Ergotherapie
- Physiotherapie: Beweglichkeit erhalten, Muskelkraft steigern
- Ergotherapie: Selbstständigkeit im Alltag sichern, Hilfsmittel integrieren
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
- Psychologische Unterstützung
- Rehabilitation zur Verbesserung der Lebensqualität incl. frührehabilitativer Maßnahmen (sog. „MS- Komplextherapie“)
Verlauf, Prognose und Lebensstil bei Multipler Sklerose
Der Verlauf der Multiplen Sklerose lässt sich heute durch moderne Therapien häufig deutlich positiv beeinflussen. Mit einer frühzeitigen Behandlung und regelmäßiger medizinischer Betreuung können viele Menschen mit Multipler Sklerose ein weitgehend selbstständiges und aktives Leben führen. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, ausreichend Erholung und Stressreduktion kann zusätzlich dazu beitragen, den Verlauf der Multiplen Sklerose zu unterstützen und die Lebensqualität zu verbessern.
Multiple Sklerose in Brackel behandeln: verlässliche Begleitung
Die Behandlung von Multipler Sklerose im Neurozentrum Westfalen am Standort Dortmund-Brackel erfolgt durch ein erfahrenes neurologisches Team mit umfassender Expertise in der Diagnostik und Therapie von MS. Unser Team begleitet Patienten nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich und unterstützt sie in allen Phasen der Erkrankung, unter Berücksichtigung der jeweiligen Lebensplanung. Durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit weiteren Fachbereichen der Knappschaft Kliniken gewährleisten wir eine ganzheitliche Versorgung und eine individuell abgestimmte Behandlung bei Multipler Sklerose.
Multipler Sklerose: medizinische Sicherheit mit menschlicher Nähe
Multiple Sklerose zu behandeln bedeutet, neurologisches Fachwissen mit Empathie zu verbinden. In dem Neurozentrum Westfalen am Standort der Knappschaft Kliniken Dortmund finden Sie Struktur, Erfahrung und echte Zuwendung. Wir begleiten Sie bei MS mit Fachkompetenz und Herz.
Ihre Vorteile mit der Behandlung von MS im Neurozentrum Westfalen
- Ein hochspezialisiertes neurologisches Expertenteam, dass auf Neuroimmunologie und MS spezialisiert ist
- Mitglied der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft
- Vernetzte Versorgung durch den Verbund der Knappschaft Kliniken
Häufige Fragen: Multiple Sklerose
Was sind die Ursachen von MS?
Nach aktuellem Wissensstand führen verschiedene Faktoren gemeinsam zur Entstehung von Multipler Sklerose (MS). Dazu gehören genetische Veranlagungen, bestimmte Umweltfaktoren sowie möglicherweise chronische Infektionen. Trotz zahlreicher internationaler Studien ist die genaue Ursache von MS bis heute allerdings nicht vollständig geklärt.
Was sind die ersten Anzeichen?
- Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle, Brennen, Jucken
- Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Schmerzen bei Augenbewegung, Doppelbilder
- Motorische Störungen: Muskelschwäche, Steifigkeit, Koordinationsprobleme
- Fatigue: Anhaltende Müdigkeit
- Blasen- und Darmstörungen
Bei Symptomen länger als 24 Stunden (Sehstörungen, Taubheitsgefühle, neurologische Ausfälle).
Eine aktuelle kanadische Langzeitstudie zeigt, dass die Lebenserwartung von Menschen mit Multipler Sklerose (MS) in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Dennoch liegt sie im Durchschnitt weiterhin etwa 7 bis 14 Jahre unter der Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung.
MS ist keine klassische Erbkrankheit, allerdings besteht eine genetische Veranlagung. Diese alleine reicht jedoch nicht aus, damit eine MS entsteht. Unterschiedliche Umweltfaktoren wie Vitamin-D-Mangel , Rauchen oder Virusinfektionen (Epstein Barr- Virus) spielen eine Rolle.
Bei vielen Schwangeren nimmt die Häufigkeit der MS-Schübe während der Schwangerschaft um bis zu 80 % ab. Bislang ist noch unklar, warum Schwangerschaften scheinbar einen günstigen Einfluss auf den Krankheitsverlauf bei MS-Patientinnen haben. Vermutet wird, dass dies auf die während der Schwangerschaft vermehrt gebildeten Östrogene zurückzuführen ist. Einige Therapeutika, die den Krankheitsverlauf beeinflussen, können in der Schwangerschaft verabreicht werden. Es ist wichtig, während dieser bedeutenden und emotional prägenden Lebensphase ein emphatisches Behandlerteam mit hoher Fachexpertise an seiner Seite zu haben.