Politische Vorgaben müssen im Klinikalltag funktionieren
Die Knappschaft Kliniken setzen sich beim Gesundheitskongress des Westens für Praxistauglichkeit bei Planung, Finanzierung und Krisenvorsorge ein
Leistungsgruppen, zusätzlicher Finanzierungsdruck, Krisenvorsorge: Beim Gesundheitskongress des Westens 2026 in Köln ging es um Themen, die in den Krankenhäusern unmittelbar ankommen. Die Knappschaft Kliniken setzten sich in den Diskussionsrunden des Gesundheitskongress dafür ein, politische Vorgaben stärker an der Realität der Häuser zu messen.
Dr. Hans-Christian Atzpodien, Hauptgeschäftsführer der Knappschaft Kliniken GmbH, machte in Köln deutlich, dass sich die Anforderungen derzeit an mehreren Stellen verschärfen. Die Krankenhausplanung in NRW ordnet Leistungen und Standorte neu. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz erhöht den finanziellen Druck auf die Häuser. Das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz rückt zugleich die Frage in den Mittelpunkt, wie Kliniken in Krisenlagen arbeitsfähig bleiben.
„Krankenhausplanung darf nicht nur auf dem Papier schlüssig sein“, sagte Dr. Atzpodien bei einer Diskussionsrunde zum Thema Krankenhausplanung NRW 2026 – 2030 im Rahmen des GdW. „Sie muss auch im Betrieb funktionieren. Wenn Leistungen neu geordnet werden, müssen die Häuser wissen, was das für Personal, Investitionen, Erreichbarkeit und Finanzierung bedeutet. Sonst droht Planung an der Praxis vorbeizugehen.“
Werden Leistungen künftig anders verteilt oder stärker gebündelt, betrifft das Dienstpläne, Patientenwege, Vorhaltekosten und die Rolle einzelner Standorte. Gerade in Nordrhein-Westfalen müsse deshalb genau geprüft werden, was vor Ort tragfähig ist und wo zusätzliche Voraussetzungen geschaffen werden müssen.
Auch in der Diskussionsrunde zu Resilienz und Zivilschutz stellte Dr. Atzpodien praktische Voraussetzungen in den Mittelpunkt. Ein Krankenhaus bleibt nicht arbeitsfähig, nur weil ein Notfallplan vorliegt. Abläufe müssen bekannt sein, Notstromversorgung und Technik funktionieren, IT-Systeme geschützt und externe Partner erreichbar sein. Dazu gehören auch Lieferketten, Energieversorger und regelmäßige Übungen.
„Krisenvorsorge beginnt nicht erst im Krisenfall“, sagte Dr. Atzpodien. „Sie beginnt im normalen Betrieb: bei Technik, Schulungen, klaren Zuständigkeiten und der Frage, ob alle wissen, was im Ernstfall zu tun ist.“
Im Verbund der Knappschaft Kliniken werden Notfallabläufe deshalb regelmäßig geübt. Auch der Austausch zwischen den Häusern ist wichtig, damit klar bleibt, was im Ernstfall praktisch funktioniert.
