Hüftdysplasie: Angeborene Hüftfehlstellung ist mit 40 Jahren Geschichte
Chefarzt Dr. Lars-Christoph Linke operiert Patienten von NRW bis Baden-Württemberg
Für ein schmerzfreies Leben nimmt die Betroffene Eva Schäfer (40) zwei aufwendige Operationen, eine vierstündige Autofahrt und eine nun lange Heildauer in Kauf.
Schon als Jugendliche stand für Eva Schäfer fest, dass sich eine Operation an der Hüfte nicht vermeiden lässt. Doch die damals 16-Jährige biss die Zähne zusammen und brachte zunächst ihre Ausbildung zu Ende, bevor sie sich in Behandlung begab.
In einem Hüftdysplasie-Forum stieß sie damals auf Chefarzt Dr. Lars-Christoph Linke, ein erfahrener Orthopäde, der speziell für diese Art von Operation ausgebildet ist. Im Jahr 2007, mit 20 Jahren, ließ sie sich erstmals von ihm operieren. „Ich habe mich schon damals sehr gut aufgehoben gefühlt. Dr. Linke ist ein sehr kompetenter und empathischer Arzt. Es ist alles gut verheilt. Die Schmerzen waren jahrelang Geschichte. Deshalb habe ich gehofft, dass ich von einer weiteren Operation verschont bleibe.“
Vierstündige Autofahrt bis nach Marl
20 Jahre lang blieb Eva Schäfer schmerzfrei. Dann, vor einem Dreivierteljahr, mit 40 Jahren, fingen die Schmerzen plötzlich auch auf der anderen Seite an. Für Eva Schäfer war klar: „Wenn ich noch mal an der Hüfte operiert werden muss, dann nur von Dr. Linke.“ Dafür nimmt sie sogar die vierstündige Autofahrt von ihrem Wohnort Altrip (bei Mannheim) bis nach Marl in Kauf.
Dr. Linke: „Ich führe diese Operation inzwischen etwa 30- bis 40-mal pro Jahr durch. Die Tendenz ist steigend, aufgrund der Kinderorthopädie, die wir aktuell aufbauen.“ Mädchen sind viermal häufiger von der Hüftdysplasie betroffen als Jungen. In der Regel wird die Hüftfehlstellung bereits im Kindesalter behoben. Dann ist der Heilungsprozess nach wenigen Wochen abgeschlossen.
Unbehandelt wird die Hüftdysplasie meist zwischen dem 16. und 25. Lebensjahr symptomatisch. Dr. Linke: „Bei Erwachsenen müssen wir schauen, in welchem Zustand sich das Hüftgelenk befindet und wie weit der Arthrosegrad vorangeschritten ist. Bei Frau Schäfer war keine bis wenig Arthrose vorhanden. Die Operation verlief erfolgreich und war nach 100 Minuten abgeschlossen. Wir haben den Beckenknochen an drei Stellen durchtrennt, die Hüftpfanne in die korrekte Position gebracht und mit langen Schrauben fixiert.“
Ab einem Alter von 60 Jahren sollte man sich überlegen, ob man die Operation noch über sich ergehen lässt. „Wenn es zu dauerhaften bzw. zunehmenden Schmerzen kommt, sollte man zumindest über eine Behandlung nachdenken und ein Facharztgespräch vereinbaren“, so Dr. Linke.
Erster Belastungstest erfolgte eine Woche nach OP
Eva Schäfers Körper scheint gut mitzuarbeiten. Schon wenige Tage nach der Operation durfte sie erstmals mit dem Gehbock aufstehen. Nun folgt schrittweise der Belastungsaufbau. „Es kann sein, dass sich die vollständige Heilung des Knochens bis zu einem halben Jahr hinzieht.“ Für die kaufmännische Sachbearbeiterin in einem Pharmaunternehmen, die privat „immer viel auf Achse“ und zudem Mama von zwei Kindern ist (12 und 9 Jahre), ist das kein leichtes Los.
„Da überlegt und plant man erstmal eine Weile, wann man diese Operation durchführen lässt. Auch mein Mann ist voll berufstätig. Wir haben sie vor die Sommerferien gelegt, damit ich in den sechs Wochen zumindest für meine Kinder da sein kann.“
Spielen, toben und Autofahren ist allerdings vorerst tabu. Die nächsten Monate ist die 40-Jährige diesbezüglich eingeschränkt. „Zwölf Wochen nach der OP beginnt der zunehmende Belastungsaufbau der operierten Hüfte entsprechend der radiologischen Kontrolluntersuchung.
Etwa ein Jahr nach der Operation werden die Schrauben entfernt, die bis zur Knochenheilung die Hüftpfanne in korrekter Position halten“, so Dr. Linke. Eva Schäfer: „Deshalb haben wir bewusst im April noch mal Urlaub in Österreich gemacht. Jetzt haben wir Ende Juni. Ich hoffe, dass ich Mitte September wieder weitestgehend mobil bin.“
Die zweifache Mutter macht das Beste aus ihrer Situation und feiert ab sofort jeden kleinen Meilenstein: „Ich bin positiv gestimmt und freue mich, wenn ich wieder sitzen und die ersten Schritte gehen kann.“
