Für schwerste Verletzungen gerüstet: Knappschaft Kliniken als erstes Orthoplastisches Kompetenzzentrum im Ruhrgebiet zertifiziert
Nach einer schweren Verletzung oder einem schweren Unfall stehen für Betroffene und ihre Angehörigen oft belastende Fragen im Raum: Kann das verletzte Bein erhalten werden? Wird die Hand wieder beweglich sein? Welche Behandlung ist dafür notwendig? In den Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer entwickeln Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie bei komplexen Verletzungen gemeinsam einen interdisziplinären Behandlungsplan. Für diese hochspezialisierte Versorgung wurde das Überregionale TraumaZentrum in Gelsenkirchen-Buer jetzt zusätzlich als Orthoplastisches Kompetenzzentrum (OPZ) im TraumaNetzwerk DGU zertifiziert. Dadurch zeigt sich, dass die Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer gemeinsam mit dem gesamten Knappschaft Kliniken Verbund die Versorgung schwerstverletzter Patienten stärken und somit auch auf geopolitische Krisensituationen besser vorbereitet sind.
Bei schweren Verletzungen an Armen oder Beinen ist häufig mehr als der Knochen betroffen. Auch Haut, Muskeln, Sehnen, Nerven oder Blutgefäße können geschädigt sein. Damit eine Gliedmaße heilen und möglichst viel ihrer Funktion zurückgewinnen kann, müssen diese Verletzungen im Zusammenhang betrachtet werden. Die orthoplastische Versorgung verbindet dafür die Kompetenzen der Unfallchirurgie mit denen der plastisch rekonstruktiven Chirurgie.
Interdisziplinäres Extremitätenboard: Expertise an einem Tisch
Was selbstverständlich klingt, ist nicht überall ein fest etablierter Behandlungsweg. Oft steht zunächst die Versorgung durch eine einzelne Fachrichtung im Vordergrund, bevor weitere Spezialisten hinzugezogen werden. In den Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer arbeiten bei entsprechenden Verletzungsbildern beide Fachrichtungen von Beginn an eng zusammen. Für Patienten bedeutet das: Die Stabilisierung der Knochen und die Wiederherstellung des umgebenden Gewebes werden gemeinsam frühzeitig geplant, aufeinander abgestimmt und so entscheidend optimiert.
„Für die Betroffenen zählt vor allem, wie ihr Leben nach einer schweren Verletzung weitergehen kann. Können sie wieder gehen, greifen oder ihren Alltag selbstständig bewältigen? Diese Fragen bestimmen die interdisziplinären Therapieoptionen“, erklärt PD Dr. Friedrich Kutscha-Lissberg, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie. „Wir betrachten deshalb von Anfang an die gesamte Verletzung und stimmen die notwendigen Schritte mit der Plastischen Chirurgie ab. Unser Ziel ist es, schwer verletzte Gliedmaßen nach Möglichkeit zu erhalten, möglichst viel Funktion wiederherzustellen und Infektionen des Knochens zu vehindern.“ Die enge Abstimmung begleitet die Betroffenen von der Notfallversorgung über mögliche Folgeeingriffe bis zur Kontrolle des Heilungsverlaufs. Auch Menschen mit Komplikationen nach früheren Operationen können diese spezialisierte Versorgung benötigen. In regelmäßigen gemeinsamen Fallbesprechungen beraten die Behandlungsteams über komplexe Verläufe. Bei Bedarf beziehen sie weitere Fachrichtungen ein.
Körpereigenes Gewebe hilft, schwere Verletzungen zu versorgen
Während die Unfallchirurgie beispielsweise gebrochene Knochen stabilisiert und knöcherne Defekte behandelt, übernimmt die Plastische Chirurgie die Wiederherstellung geschädigter Weichteile. Wesentlich ist, dass die knöcherne Rekonstruktion und die Weichteilrekonstruktion von Beginn an aufeinander abgestimmt sind und auch zeitgleich durchgeführt werden. Fehlen nach einem Unfall größere Haut- oder Muskelbereiche, kann körpereigenes Gewebe von einer anderen Körperstelle übertragen werden. Unter dem Operationsmikroskop schließen die Spezialisten die feinen Blutgefäße des übertragenen Gewebes an. So können etwa freiliegende Knochen, Sehnen oder Implantate wieder mit durchblutetem Gewebe bedeckt werden.
„Viele Menschen verbinden Plastische Chirurgie vor allem mit ästhetischen Eingriffen. Für die Rettung von Extremitäten und die Behandlung von Knochen- und Weichteilinfektionen ist allerdings die ganz spezielle Expertise der rekonstruktiven plastischen Chirurgie gefordert. Nach schweren Unfällen leistet sie den entscheidenden Beitrag, einen Arm oder ein Bein zu erhalten oder die Funktion zu optimieren.“, erläutert Dr. Hubertus Philipps, Leitender Oberarzt der Klinik für Plastische und rekonstruktive Chirurgie. „Wenn schützendes Gewebe fehlt, reicht es nicht aus, allein den Knochen zu versorgen. Gemeinsam mit der Unfallchirurgie schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass die Verletzung heilen und die betroffene Gliedmaße wieder genutzt werden kann. Bei frischen Verletzungen streben wir die definitive Weichteildeckung des Knochens innerhalb von 72 Stunden an. Um dieses Ziel zu erreichen muss direkt nach der Schockraumbehandlung begonnen werden, den Therapieplan für die schwerverletzten Extremitäten zu erstellen.“, ergänzt Chefarzt Prof. Robert Krämer. Das neu geschaffene Orthoplastische Zentrum beschreibt nun alle dafür erforderlichen Strukturen. Durch die Zertifizierung ist sichergestellt – auch für Patienten und Zuweiser, dass diese komplexen Therapien routiniert (Mindestmengen) durchgeführt werden. Diese Zentren werden die Versorgung in Deutschland noch weiter verbessern.
Überregionales TraumaZentrum mit zusätzlicher Spezialisierung
Als Überregionales TraumaZentrum sind die Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer auf die umfassende Versorgung schwer und mehrfach verletzter Menschen ausgerichtet. Die zusätzliche Zertifizierung als Orthoplastisches Kompetenzzentrum bestätigt die besonderen Strukturen für Patienten mit komplexen Knochen- und Weichteilverletzungen.
Zu den Anforderungen gehören eine rund um die Uhr verfügbare plastisch-rekonstruktive Notfallversorgung, erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte, nachgewiesene mikrochirurgische Expertise sowie verbindliche gemeinsame Behandlungsabläufe. Das 2026 eingeführte Zertifizierungsverfahren wurde von den zuständigen Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC) entwickelt. Die Anerkennung gilt für drei Jahre und muss anschließend erneuert werden.
Spezialisierte Versorgung für das gesamte Ruhrgebiet
Von den spezialisierten Strukturen in Gelsenkirchen-Buer profitieren Patienten aus dem gesamten Ruhrgebiet. Das Überregionale TraumaZentrum nimmt Verletzte sowohl aus dem Verbund der Knappschaft Kliniken als auch aus anderen Krankenhäusern des Einzugsgebiets auf. So können Betroffene auch dann eine weiterführende orthoplastische Behandlung erhalten, wenn die Erstversorgung bereits in einem anderen Krankenhaus stattgefunden hat.
Die Strukturen des Orthoplastischen Zentrums dienen in erster Linie der Versorgung schwer verletzter Extremitäten mit kombinierten oder isolierten Knochen- und Weichteilschäden – etwa nach einem Sturz aus großer Höhe oder einem schweren Verkehrsunfall. Zugleich sind sie jedoch in geopolitischen Krisensituationen erforderlich. Schon heute werden in den Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer im Schwerbrandverletztenzentrum und im orthoplastischen Zentrum Verletzte aus dem Kriegsgebiet der Ukraine behandelt.
„Eine schwere Verletzung verändert das Leben oft von einem Moment auf den anderen“, sagt Kutscha-Lissberg. „Mit unserer gemeinsamen Expertise möchten wir den Betroffenen eine bestmögliche Perspektive geben – für ihre Beweglichkeit, ihre Selbstständigkeit und ihre Rückkehr in den Alltag.“
Über die Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer GmbH
Mit über 1.500 Mitarbeitenden und 15 medizinischen Fachabteilungen versorgen die Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer GmbH jährlich rund 70.000 Patientinnen und Patienten. Mit unserem überregionalen Traumazentrum, dem Lungenzentrum sowie der spezialisierten Kinder- und Jugendklinik bieten wir medizinische Versorgung aus einer Hand – von der Notfall- und Intensivmedizin über hochspezialisierte Fachzentren und innovative Therapieverfahren bis hin zur Rehabilitation. Als Teil des Verbundes der Knappschaft Kliniken gehören wir zu einem der größten Krankenhausverbünde Deutschlands.
