Als junger Mann wollte er Städte planen – heute plant er als Chefarzt die Zukunft der Kinderintensivmedizin der Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer
Eigentlich wollte Frank Niemann Städte planen. Raumplanung, Stadtentwicklung – das war der Plan nach dem Abitur. Medizin? Stand nicht auf seinem Zettel. Dass es anders kam, lag an einer Entscheidung, die sein Leben in eine neue Richtung lenkte: während seines Zivildienstes beim Deutschen Roten Kreuz absolvierte er die Ausbildung zum Rettungssanitäter auf der Rettungswache in Coesfeld. Zur Kinderheilkunde führte ihn dann ein Nebenjob während seines Medizinstudiums in Gießen. Hier arbeitete Niemann als Pflegehelfer in einer Kinderuniversitätsklinik – erst in den Semesterferien, dann regelmäßig. Bevor man ihn auf die Kinderintensivstation ließ, wurde er von den Pflegekräften auf Herz und Nieren geprüft und arbeitete zunächst sechs Wochen in der Kinderonkologie. Dann übernahm er zwei Jahre lang die Nachtwache auf der Kinderintensivstation. Wer verstehen will, warum der heutige Chefarzt so viel Wert auf sein Pflegeteam legt, findet hier die Antwort: Er hat auf dieser Seite angefangen.
Zurück in der medizinischen Heimat
Die Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer kennt Niemann seit dem Jahr 2000 – insgesamt rund 20 Jahre war er am Haus tätig, viele davon als Leitender Arzt der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin, engagiert auch im Betriebsrat und im Aufsichtsrat. Nach einer kurzen Etappe als Leitender Oberarzt an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln ist er nun zurückgekehrt – als Chefarzt der Pädiatrischen Intensivmedizin. „Diese Klinik ist meine medizinische Heimat", sagt er. „Hier kennt jeder jeden und die Atmosphäre ist familiär, einige Pflegekräfte kenne ich schon seit über 25 Jahren." Dennoch hat ihn der Empfang nach seiner Rückkehr positiv überrascht: „Ich treffe fast jeden Tag Menschen im Haus, die freundliche Worte für mich haben. Das macht es einem sehr leicht, sich wohlzufühlen."
Eine neue Station – direkt unter dem Hubschrauberlandeplatz
Zurückgekommen ist Niemann in eine Phase der Aufbruchsstimmung: Mit Fördermitteln des Landes Nordrhein Westfalen entsteht derzeit eine komplett neue Kinderintensivstation – direkt unter dem Hubschrauberlandeplatz, in unmittelbarer Nähe zur Zentralen Notaufnahme mit ihren Schockräumen, zum OP-Trakt, zur interdisziplinären Intensivstation und zur Radiologie. „Diese Dichte an Fachdisziplinen findet man sonst kaum in einem Krankenhaus mit rund 500 Betten", sagt Niemann.
Was die Versorgung schwer- und schwerstkranker Kinder am Standort besonders macht, ist das Zusammenspiel der Disziplinen: Unfallchirurgie des überregionalen Traumazentrums, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Verbrennungsmedizin – alles ist hier unter einem Dach. Wichtige Partner der Kinderintensivmedizin sind zudem die Kinderneurochirurgie, in der Schädel-Hirn-Verletzungen ebenso wie vorzeitig verknöcherte Schädelnähte nach modernsten Standards operiert werden, und die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, deren operatives Spektrum von Eingriffen an Ohr, Nase und oberen Atemwegen über die Traumatologie des Gesichtsschädels bis zur plastisch-rekonstruktiven Chirurgie reicht.
Tradition hat am Haus auch die Kinderverbrennungsmedizin: Verbrühungen durch heißen Tee, Kaffee oder kochendes Nudelwasser zählen zu den häufigsten Unfällen im Kleinkindalter. In der Versorgung und Rekonstruktion verbrühter Haut ist die Expertise des Hauses überregional anerkannt.
Schon heute gehört die Kinderintensivstation mit acht Betten zu den größeren Einrichtungen ihrer Art. Der Umzug führt dann auch nicht zu mehr Betten – aber zu einer moderneren Infrastruktur, konsequent aus der Perspektive der Familien gedacht.
Eltern als Teil des Behandlungsteams
Denn ein Schwerpunkt der neuen Station liegt auf der Einbindung der Eltern: Jedes Patientenzimmer verfügt über Schlafmöglichkeiten für die Eltern sowie ein eigenes Bad mit Dusche. „Für kranke Kinder ist es essenziell, auch im Krankenhaus ihrer Familie nah sein zu können", sagt Niemann. Eltern sind für ihn nicht nur Angehörige, sondern eine Ressource im Behandlungsprozess: „Vertrauen der Eltern ist die Voraussetzung dafür, dass sie ihren Kindern als starker Partner zur Seite stehen und ihnen Sicherheit geben können." Offenheit und Transparenz gegenüber Eltern – und soweit möglich auch gegenüber den Kindern – sind für ihn die Basis jeder Behandlung.
Chancen für Mitgestalter:innen
„Der besondere Reiz dieser Stelle liegt in den Gestaltungsmöglichkeiten – wir bauen hier interdisziplinäre Strukturen auf und entwickeln die gesamte Station weiter. So eine Chance bekommt man nicht oft." Dafür sucht Niemann Verstärkung. Unter anderem Oberärztinnen oder Oberärzte, die gemeinsam mit ihm die neue Struktur aufbauen. Auch für andere Bereiche sucht er Menschen, die Lust haben, diesen Aufbau mitzugestalten. „Ich möchte ein Team zusammenstellen, das mit großer Freude und Leidenschaft daran arbeitet, schwer- und schwerstkranke Kinder bestmöglich und kindgerecht zu versorgen", sagt Niemann. „Wer jetzt dazukommt, gestaltet von Anfang an mit."
